Wenn ich nachrechne, stille ich seit 2012 durchgehend, mit insgesamt ein paar wenigen Monaten Unterbrechnung aufgrund von Schwangerschaften. Zugegeben, meine erste Stillerfahrung war eine absolute Katastrophe!

Jana wurde 2012 fünf Wochen zu früh geboren. Knapp dem Tod entronnen (kein Fruchtwasser mehr), waren wir im ersten Moment einfach nur froh, ein gesundes kleines Menschlein in unseren Armen halten zu können.

Meine Vorstellungen bezüglich dem Stillen lösten sich binnen weniger Minuten auf. Jana wurde nach kurzem Kuscheln direkt auf die Neonatologie verlegt. Ein erstes Stillen, wie man es in den vielen Büchern liest konnte daher nicht stattfinden. In dem Moment war es irrelevant, doch holte mich dieser Verlust der ersten innigen Momente mit meiner erstgeborenen bald in Form von einer Wochenbettdepression ein. 10 Tage waren wir getrennt voneinander und ich fühlte mich allein. Ich hörte die vielen anderen Babys in den Nebenzimmern weinen und hatte nur die kleine Mütze von meinem Kind auf meiner Brust.

Chris war die ganzen 10 Tage an meiner Seite, er buchte sich im Krankenhaus ein und wir weinten gemeinsam und versuchten trotz Allem stark zu sein, uns für Jana dann doch am Riemen zu reissen und uns zu erholen. Während der 10 Tage Neonatologie , pumpte ich im 3 Stunden Rhythmus Muttermilch ab und brachte es auf die Station. Das anfängliche Sondieren der Muttermilch übernahmen die Krankenschwestern. Eines Tages hieß es, ich könnte einen ersten Stillversuch wagen. Ich war aufgeregt. Wusste nicht wie das funktioniert und dachte mir, das Baby kann das ohne bestimmter Technik.

Wir wurden in einen Raum gebracht, ein Stillkissen wurde mir förmlich umgeschnallt und die winzige Jana wurde mir gebracht. Immer unter strenger Kontrolle der Krankenschwestern. Ich versuchte mein theoretisches Wissen aus den unzähligen Büchern anzuwenden. Kind seitlich zum Körper, Kind zur Brust nicht umgekehrt, bequeme Haltung und den Rest erledigt das Baby.

Weit gefehlt…

Jana wusste nicht was sie tun soll, ich wusste nicht wie ich ihr die Brust anbieten soll. Sie konnte sie nicht fassen und so wurde der erste Stillversuch nach 5 Minuten mit den Worten „Aha, geht also nicht“ von Seiten der Krankenschwester abgebrochen. Ich war überfordert und traurig zugleich. Wieder einer meiner sehnlichsten Wünsche, der sich nicht erfüllt. So pumpte ich weiter fleißig ab, auch wenn es extrem mühsam war. Jana wurde nach 10 Tagen zu uns ins Krankenhaus entlassen. Auf eigenen Wunsch von mir, durfte ich noch 2 Tage bleiben. Sie hätten uns auch einfach direkt nachhause entlassen.

Uns wurden die „Basics“ der Säuglingspflege gezeigt, mittlerweile finde ich diese total übertrieben, aber damals wollten wir einfach nur unser Baby und versuchten eine gute Perfomance abzulegen, sodass sie uns nicht nochmal „weggenommen“ wird (So fühlte es sich an- natürlich wäre das nicht passiert). Wir kämpften um jeden Tropfen Muttermilch, Jana schlief bei jeder Mahlzeit nach 3 Zügen an der Flasche ein.

Jede Fütterung war Stress pur für uns. Wir massierten ihre Ohren, ihre Füße, zogen sie aus und wieder an, erhöhten ihren Körper, redeten mit ihr. Das ganze Programm, so wie es uns gesagt wurde. Immer wieder mussten wir uns Sätze wie „sie darf auf keinen Fall abnehmen“, „wenn sie abnimmt müsst ihr wieder in die Kinderklinik“ anhören. Unsere Nerven waren am Ende. Mit 21 das erste Mal Eltern und dann gleich so ein Start.

Wir wurden mit mahnenden Worten entlassen. Ich musste versprechen (!) Jana nicht zu stillen und jede Woche zum Wiegen zu kommen. Zuhause angekommen entspannten wir uns langsam, ohne ständiger Kontrolle war es dann doch etwas leichter für uns. Diese Grundpanik, ich nenn es mal so, blieb aber fast bis zum 2. Geburtstag.

Nach der 2. mühsamen Nacht mit ständigem Abpumpen schickte ich Chris in die Apotheke. Er soll mir 2 Stillhütchen bringen. Ich hielt es einfach nicht mehr aus und konnte es einfach nicht glauben, dass mein Kind nicht fähig ist, zu Stillen. Ich war extrem nervös, als ich den ersten Stillversuch mit den Stillhütchen startete. Die Emotionen, die mich überkamen, als Jana sofort zu trinken begann – als hätte sie nie etwas anderes gemacht – waren unbeschreiblich. Ich wusste sofort, so machen wir das und sicher keine Flasche mehr. Ich fühlte mich plötzlich wieder stark und nützlich. Wenn ich schon nicht fähig war, mein Kind normal zu gebären – sondern per Kaiserschnitt – und sie offensichtlich in meinem Bauch unterversorgt wurde, musste wenigstens das Stillen klappen. Sonst wäre ich mir wirklich nutzlos vorgekommen. Was könnte ich dann denn bitte als Mutter? Alles, was natürlich sein sollte, hätte bei mir nicht funktioniert.

Wir gingen volles Risiko ein und beschlossen, Jana eine Woche lang voll zu stillen (mit diesen Stillhütchen, denn ohne nahm sie die Brust nicht an) und dann bei der Wiegekontrolle kein Wort über das Stillen zu erwähnen. Wir kontrollierten Janas Gewicht täglich zuhause, damit wir sie nicht gesundheitlich gefährden. Laut unserer Waage sah es so aus, als würde sie gut zunehmen. Dann die Bestätigung bei der Wiegekontrolle: sie hat super zugenommen, weiter so!

Alles klar, somit war das Thema Abpumpen erledigt, wir fuhren auch nicht mehr zur Wiegekontrolle sondern vertrauten auf uns und auf mich und meine Muttermilch. Auch beim Kinderarzt gab es grünes Licht, alles super!

Ich entwickelte mich zur Löwin. Nie mehr würde ich mir etwas einreden lassen, mir etwas vorschreiben lassen, wenn es um mein Kind geht. Ich versuchte wieder mehr Vertrauen in meinen Körper zu fassen. Das Rad sponn sich weiter, denn uns war neben der natürlichen Versorgung unseres Kindes auch das Aufwachsen von enormer Bedeutung. Wir griffen bewusst nicht in die motorische Entwicklung von Jana ein. Kinder brauchen schließlich keine Hilfe von Außen, um das Krabbeln, Sitzen, Stehen und schließlich das Gehen zu lernen! Auch das Thema Beikost war uns wichtig. Jana bekam einen Mix aus Brei und Fingerfood. Im Endeffekt wollte sie nach kurzer Zeit nur mehr Fingerfood und konnte so, recht schnell mit uns gemeinsam essen.

Jana schlief von Anfang an bei uns im Bett. Es war für uns einfach logisch, dass ein so kleines Wesen, bei Mama (und Papa) schlafen möchte um sich sicher und geborgen zu fühlen. Jana wurde bis zum 2. Lebensjahr gestillt. Es war für mich selbstverständlich. Natürlich gab es Phasen, wo es wirklich mühsam war. Aber auch diese Phasen gingen vorbei und erst als ich mit unserem Sternenkind schwanger war, stillte ich Jana ab.  Zu diesem Zeitpunkt wurde sie nur mehr abends in den Schlaf gestillt. Das Abstillen klappte nach anfänglichem Protest, dann doch schnell und für uns beide war es so in Ordnung. Jana durfte weiterhin ihre Hand auf die Brust legen, wenn ihr danach war. Ein guter Kompromiss.

Mona wurde im April 2015 geboren und bei ihr klappte das Stillen genau so wie ich es mir bei Jana gewünscht hätte. Direkt nach der Geburt wurde sie mir an die Brust gelegt und sie begann zu saugen, ohne Stillhütchen! Mona wurde 2,5 Jahre gestillt und meine Brust, zieht sie heute noch magisch an. Immer wieder spüre ich, wie ihre kleine Händen sich den Weg zur Brust bahnen und dann strahlen ihre kleine Augen wenn sie diese sanft ablegt.

Ilias wurde auch direkt nach der Geburt an die Brut gelegt und Dank meiner Hebamme wurde ein zu kurzes Zungenbändchen am 2. Lebenstag durchtrennt. Denn er hatte merklich Probleme beim Saugen und neben logopädischen Problemen wäre unsere Stillbeziehung wahrscheinlich recht kompliziert verlaufen.

Er ist jetzt 8 Monate alt und wird auch tagsüber noch gestillt. Beikost bekommt er angeboten, jedoch landet momentan noch mehr auf dem Boden als im Magen. An ein Abstillen denke ich momentan noch nicht nach, es fühlt sich einfach stimmig an.

Wir werden sehen, wie lange diese Stillbeziehung dauern wird, ich habe mir keine Deadline gesetzt.

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1 Comment

  1. Wow, das klingt dramatisch 😔 Gut, dass ihr euch auf euren Instinkt verlassen habt! Flavio kam auch sieben Wochen zu früh. Damals war ich ebenfalls gerade 21😉 Ich habe mir aber (auch während des darauffolgenden Krankenhausaufenthaltes) wenig reinreden lassen. Ich hatte sehr feste Vorstellungen was das Stillen etc. betraf und das hat auch gut geklappt. Zwar musste ich anfangs Milch abpumpen, da Flavio die Kraft gefehlt hat, aber der Übergang ging dann echt gut. Allerdings war das Personal im Krankenhaus größtenteils verständnisvoll.
    Liebe Grüße

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