Jeder Mensch ist einzigartig, hat Begabungen und gleicht keinem Anderen. Lernen ist ein natürlicher Vorgang und geschieht oft ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen.

Aus diesem Grund legen wir großen Wert darauf, dass sich unsere Kinder frei entfalten können. Damit meine ich, dass sie ihren persönlichen Interessen und Begabungen zu jeder Tageszeit nachgehen können und dies nicht unter einem Tagesplan mit vorgegebenen Uhrzeiten und Themen geschieht. Wir animieren unsere Kinder nicht, Aktivitäten nachzugehen, für die sie kein Interesse zeigen. Das Reisen in verschiedene Länder ist ein Plus, wovon sie natürlich profitieren. Jedoch sind wir auch der Meinung, dass es nicht zwingend notwendig ist, ständig herumzureisen um ihnen ein freies Aufwachsen zu ermöglichen.  Wenn man sich bewusst die Zeit nimmt, genau hinhört und jedem einzelnen Kind die Möglichkeit gibt, seine Interessen zu erzählen, zu erfragen, passiert großartiges. Sie fühlen sich respektiert in ihrem Sein.

Als Eltern sehen wir uns in der Rolle der “Möglichkeiten Schaffenden”.

Jana und auch Mona begeistern sich seit Monaten für Pferde und allem was dazugehört. Theoretisches Wissen über die Pferdehaltung und Pferdepflege haben sich beide selbständig anhand von vielen verschiedenen Büchern (unter anderem auch Tip Toi) selbst erarbeitet. Der Wunsch mit den Pferden auch persönlich in Kontakt zu treten wurde immer größer. Da wir in unserer Heimatgemeinde keinen passenden Reitstall gefunden haben, haben wir uns für unsere Neuseelandreise bereits vor der Ankunft für einen Reitstall hier in Wanaka entschieden. Wir ermöglichen beiden Mädchen somit, ihr theoretisches Wissen auch in die Praxis umzusetzen. Der Reitstall in Wanaka erwies sich als Glücksgriff, denn beide Mädchen dürfen Reitstunden nehmen. Mona auf einem Pony und Jana auf einem Pferd. Der Reitunterricht ist ihr wöchentliches Highlight, denn es wird spielerisch und ohne Druck der Umgang mit und auf dem Pferd gelehrt. Die Pferdepflege war ein weiterer Wunsch von beiden und auch dies wird ihnen in der nächsten Reitstunde ermöglicht.

Es sind diese Erfahrungen, die sie stärken, sie wachsen lassen und die ihnen keiner mehr nehmen kann. Das Leuchten in den Augen nach jeder Reitstunde ist unbezahlbar!

Zuhause im Alltag gibt es unzählige Möglichkeiten zu lernen. Ohne Druck und ohne Versagensangst!

Mathematik integrieren wir ganz nebenbei beim Kochen, Backen oder während dem Essen. Ob Addition, Subtraktion, Multiplikation oder Division, Jana rechnet alle Grundrechnungsarten. Das funktioneirt aber nur, weil sie es verstanden hat. Das Zeitfenster für das Rechnen war offen und wir als Eltern haben es erkannt und sind direkt auf ihr Interesse eingegangen! Starres Trennen von den Rechnungsarten ist unserer Meinung nach nicht notwendig.  Denn wenn das Verständnis da ist, kann man ganz leicht alles miteinander kombinieren.

Mona rechnet mit ihren bald 4 Jahren auch schon, in dem für sie passenden Zahlenraum. Sie wächst damit auf, dass wir ab und zu einfach mal mit Jana beim Abendessen mit den Zahlen spielen. Die Maßeinheiten wie Gramm, Kilogramm, Dekagramm, Liter und Milliliter besprechen wir während wir Backen. Das alles geschieht so nebenbei, ganz ohne Zwang und ohne Druck. Das “Aha” Erlebnis ist uns dabei besonders wichtig. Natürlich irrt sich Jana teilweise in den Mengenangaben, jedoch versuchen wir gemeinsam mit ihr das richtige Ergebnis zu erarbeiten, im Idealfall versucht sie es selbst zu lösen und versteht dann auch direkt, was der Fehler war.

Sprachlich sind beide Mädchen sehr begabt. Ich glaube ein Grund dafür ist das große Interesse an Büchern. Wir lesen mit all unseren Kinder jeden Abend vor dem Schlafengehen.  Dabei beschränken wir uns auf keine Altersangaben, denn ich finde viele Kinderbücher (besonders für kleinere) sind zu simpel formuliert. Der Wortschatz kann dadurch nicht wirklich wachsen. Jana’s Lieblingsbuch ist Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren. Das Buch haben wir ihr mit 4 das erste Mal vorgelesen und seitdem schon zig Male wiederholt. Mona bevorzugt im Moment Geschichten von den Olchis und vom Drachen Kokosnuss.

Mit 3 begann Jana’s Interesse an den Buchstaben. Wir haben dieses Zeitfenster genutzt und mit ihr gemeinsam spielerisch im Alltag die Buchstaben auf der Butter, Milch und anderen Alltagsgegenständen gesucht. Es dauerte nicht lange und sie begann die Buchstaben dann nachzumalen.

Ich besorgte ihr Stempel mit Buchstaben und sie stempelte stundenlang vor sich hin.

Mittlerweile schreibt Jana ihre eigenen Geschichten.  Sie hat dazu ein Heft, wo sie nach Lust und Laune ihre Feengeschichte vervollständigt. Die Lust am Schreiben wurde ihr nie durch Ausbesserungen von unserer Seite genommen. Ein wichtger Punkt wie ich finde, denn wenn man ständig Kritik ausübt, wie falsch doch das Wort geschrieben ist und dass man nicht schön genug geschrieben hat, wundert es mich nicht, dass viele Schulanfänger direkt den Spaß am Schreiben verlieren.

Mona beginnt gerade mit dem Schreiben und schaut sich dazu ganz viel von ihrer großen Schwester ab. Ein weiteres Beispiel für selbständiges Lernen, denn Mona holt sich die Infos die sie braucht bei Jana oder bei uns und kann es sofort umsetzen.

Das Lesenlernen hat uns total verblüfft. Zum 5 Geburtstag konnte Jana plötzlich Wörter lesen. Einfach so, ohne, dass wir es mit ihr geübt haben. Sie hat sich schon länger mit Wörtern befasst, aber uns in den Prozess des Lesenlernens nicht aktiv eingebunden.

Zum Geburtstag hat Jana eine Magnetbox mit Buchstaben und Rätselaufgaben bekommen. Damit legt mittlerweile auch Mona Wörter. Gleichzeitig wird dabei die Rechtschreibung geschult und das Lesen gefördert.

Aufgrund dieser Lernprozesse die wir vorallem bei Jana miterlebt haben, wissen wir, dass es auch ohne strengem Lehrplan geht. Kinder lernen dann wenn sie dazu bereit sind, das was sie in dem Moment interessiert. Es braucht einfach Zeit und vorallem Vertrauen in das Kind. Jedes Kind ist anders, lernt anders und hat andere Interessen. Wir sind davon überzeugt, dass Kinder Lesen, Rechnen, Schreiben lernen, wenn sie diese Fähigkeiten brauchen und dazu bereit sind. Der Druck der auf Volksschulkinder ausgeübt wird, ist teilweise wirklich Wahnsinn. Frisch vom Kindergarten wird es dazu aufgefordert, stundenlang still zu sitzen, das zu lernen was der/die LehrerIn von ihm verlangt und dabei darf es dann auch möglichst keine Fehler machen. Viele Kinder aus unserem Freundekreis haben schon nach der ersten Woche in der Schule die Lust am Lernen verloren. Schule ist ein Ort, da geht man halt hin und wartet darauf wieder nachhause zu gehen. Im besten Fall gibt es keine Hausübung und das Kind darf am Nachmittag spielen, wenn es nicht zu diversen Freizeitaktivitäten chauffiert wird, weil man muss ja Interessen fördern. Dass viele Kinder aber nach stundenlanger Betreuung vollkommen übermüdet und teils überreizt sind und einfach nur für sich, im vertrauten Rahmen spielen wollen, wird aufgrund wachsendem Konkurrenzdruck unter den Eltern nicht wahrgenommen. Man vergleicht gern, welche Hobbies ausgeübt werden und ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass viele Eltern auch ihr schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber aufgrund von fehlender Familienzeit durch Schule/Kindergarten/Job mit möglichst vielen Kinderkursen kompensieren.

Ob diese Hobbies auch wirklich notwendig sind, entscheidet jeder für sich selbst. Ich glaube jedoch dass ein einfach Zusammensein nach der Betreuung bereichender ist, als jeder Kurs.

Wir haben beschlossen, dass wir unseren Lebensstil anpassen, an unsere Bedürfnisse, denen der Kinder und unser Einkommen wird an 2. Stelle gereiht. Lieber schrauben wir unsere Ausgaben zurück und gestalten aktiv mit unseren Kindern ein Familienleben, das geprägt ist von Zeit, Vertrauen in das Kind und Selbständigkeit.

Der erste Schritt ist getan, das legale Homeschooling in Österreich ist unsere Zwischenlösung. Jana hat uns mittlerweile mehrmals gesagt, dass sie auf keinen Fall im Herbst in die Schule gehen möchte.  Das Homeschooling ist jedoch auch keine Dauerlösung für uns. Denn mit steigender Schulstufe, wird die Externistenprüfung auch umfangreicher. Für uns ergibt es keinen Sinn, die letzten Wochen vor der Prüfung alles an Lernstoff mit Jana zu erarbeiten, damit sie diese Prüfung besteht. Der Erfolgsdruck würde mit steigender Schulstufe immer höher und genau dieser Druck ist es, den wir unseren Kindern eigentlich durch die Art und Weise wie sie aufwachsen nehmen wollen. Somit wird es für uns auf Dauer nur unseren eigenen Weg des Freilernens geben.

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