Zuerst die gute Nachricht: In Österreich ist Homeschooling (auch “häuslicher Unterricht”) gesetzlich erlaubt. Es ist also legal (ohne Trickersei) möglich und wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, ist es für jedes Kind (welches über gute Deutschkenntnisse verfügt) problemlos möglich.

Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, um mein Kind zum häuslichen Unterricht abzumelden?

Dass man einen Hauptwohnsitz in Österreich braucht, ist denke ich selbsterklärend. In Österreich herrscht generell keine Schulpflicht sondern lediglich eine Bildungspflicht. Dadurch ist es möglich, die Option “Häuslicher Unterricht” zu wählen. Man muss auch nicht um Erlaubnis bitten, denn es wird in Form einer Anzeige an den jeweiligen Landessschulrat erledigt. Also braucht man einer möglichen Ablehnung nicht entgegen zu zittern. (Außer es besteht der Verdacht, dass man aus diversen Gründen seinem Kind die Bildung verweigert).

Welche Schulstufen können in Form von häuslichem Unterricht abgedeckt werden?

Jede Schulstufe inklusive dem in Österreich gesetzlich vorgeschriebenem verpflichtenden Kindergartenjahr (das letzte Kindergartenjahr). Auf der Homepage der Bildungsdirektion findet man das Formular für die jeweilige Schulstufe.

Wir teilen unsere Erfahrungen basierend auf dem Bundesland Steiermark, für andere Bundesländer können wir keine konkreten Informationen an euch weitergeben. Ihr findet allerdings auf Facebook Homeschoolergruppen für jedes Bundesland wo ihr an die nötigen Informationen kommt.

Wie funktioniert diese Anzeige zum häuslichen Unterricht und was gibt es dabei zu beachten?

Das Wichtigste zuerst: Die Anzeige zum häuslichen Unterricht muss bis zum Schulbeginn bei der jeweiligen Bildungsdirektion eingegangen sein. Sobald das Schulahr beginnt, ist es nicht mehr möglich zuhause zu unterrichten!

Wir schickten unser Formular immer bis spätestens Ende Juni ab und bekamen auch relativ schnell den positiven Bescheid zurück. Leider ist es nicht möglich, das Kind während dem Schuljahr aus der Schule zu nehmen und das restliche Schuljahr zuhause zu unterrichten. Mögliche Zuwanderer sollten das auch im Hinterkopf behalten um unnötigen Stress zu vermeiden. Umgekehrt, ist ein Wechsel vom häuslichen Unterricht in eine Schule jedoch schon möglich. Wir kennen allerdings niemanden, der diese Option in Erwägung gezogen hat.

Hat man sich für häuslichen Unterricht in Österreich entschieden, muss man sich im Klaren sein, dass am Ende des Schuljahres eine Externistenprüfung an einer selbst(!) ausgewählten Schule abgelegt werden muss. Daran führt kein Weg vorbei (außer man hat Zeit, Geld und Nerven um mittels Anwälten irgendwie ein Schlupfloch zu finden).  Aber auch da sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner, denn wir gehen den (für uns) stressfreien Weg und schonen unseren Geldbeutel für weitere Reisen. Außerdem gilt: Falls die Externistenprüfung negativ ausfällt, und die darauffolgende Kommissionsprüfung ebenfalls, muss das Kind im nächsten Jahr eingeschult werden.

Das Formular für die Bildungsdirektion kann man bequem zuhause ausdrucken und ausfüllen. In der Steiermark sind die Fragen auch sehr einfach zu beantworten und nach gewissenhaftem Ausfüllen sollte es keine weiteren Probleme mit der Bestätigung geben.

Für zukünftige Kinder der 1. Schulstufe ist es wichtig trotzdem zur Schuleinschreibung zu gehen, auch wenn man zu dem Zeitpunkt weiß, dass es zuhause unterrichtet wird. Die erste Anzeige die abgeschickt wird, beinhaltet nämlich einen Stempel der Direktion (der bei darauffolgenden Homeschoolingjahren nicht nochmal neu gestempelt werden muss). Mit der Schuleinschreibung wird die Schulreife festgestellt und auch, ob notwendige Deutschkenntnisse vorhanden sind. Also keine Panik, ihr meldet das Kind einfach in der Sprengelschule an und könnt im Zuge der Schuleinschreibung ja schon das Formular mitbringen und um den Stempel bitten.

Ist die Anzeige erfolgreich bei der Bildungsdirektion eingelangt, bekommt man noch in den Sommerferien ein Schreiben retour, dass den häuslichen Unterricht ganz offiziell bestätigt. Keine Panik, bei der Erstbeantragung kann es bis zu 4 Wochen dauern, bis ihr den Bescheid bekommt.

Ihr solltet euch auch baldigst Gedanken machen, wo die Externistenprüfung abgelegt werden soll. Denn gewisse Schulen haben eine Anmeldefrist für diese Prüfung (meistens im Herbst) und danach ist eine Anmeldung nicht mehr möglich! Welche Schulen zur Auswahl stehen, findet ihr zB in den Facebook Gruppen.

Welche Materialien benutzt ihr?

Wir genießen die Freiheit unseren Kindern selbst ausgewählte Materialien zur Verfügung zu stellen. Es ist aber möglich, Schulbücher von der ausgewählten Externistenprüfungsschule einzufordern. Da gibt es also einen gewissen Freiraum für jede Familie. Für Österreich kann ich Westermann sehr empfehlen (wir werden nicht gesponsert..). Wir benutzen speziell die “Mathe-Forscher”-Reihe (hier) und die Pino-Reihe (Schreiben, hier).

Generell sind wir aber sehr darauf bedacht, unseren Kindern so wenig wie möglich vorzugeben. Stattdessen sollen sie die Möglichkeit haben, selbst zu entdecken, die Natur zu erforschen und ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Außerdem organisieren wir natürlich themenspezifische Informationen, wenn die Kinder gerade spezielle Interessen zeigen.

Wie sieht der Kontakt zur Schule aus?

Wir haben während dem Schuljahr keinen Kontakt zur Schule, weil wir das so möchten. Es steht einem also frei, wie eng man mit der Prüfungsschule zusammenarbeiten möchte. Zum Ablauf der Externistenprüfung können wir keine pauschale Aussage machen, da es von Schule zu Schule total unterschiedlich ist. Manche Schulen möchten das Homeschoolerkind gern 1 Woche im Unterricht beobachten, andere prüfen das Kind einzeln und widerum andere Schulen gestalten die Prüfung in einer fürs Kind angenehmen Gesprächsatmosphäre. Also hört euch am besten um, welche Schulen in eurem Umkreis zur Auswahl stehen.

Wurde die Externistenprüfung bestanden, bekommt das Kind ein ganz normales Zeugnis wie jedes andere Schulkind. Dieses Zeugnis muss umgehend an die Bildungsdirektion übermittelt werden um das Schuljahr im häuslichen Unterricht positiv abzuschließen.

In unserem Fall war es so, dass wir mit dem Zeugnis gleich das Formular/die Anzeige für die 2. Schulstufe mitgeschickt haben. Es dauerte dann 2 Wochen bis zum positiven Bescheid.

Wie ihr seht, stehen dem Kind also alle Türen offen. Das Kind kann genauso gut das darauffolgende Schuljahr zur Schule gehen. Es kann also jedes Jahr aufs neue entschieden werden, welchen Weg man als Familie gehen möchte. Und genau das ist es, was wir sehr zu schätzen wissen.

Jana entscheidet selbst, ob sie zur Schule gehen möchte oder nicht. Wir bieten ihr beide Optionen an und respektieren jede Entscheidung die sie fällt.

Das erste Homeschoolerjahr war quasi eine Testrunde für uns alle. Wir wollten wissen, ob diese Art von Leben für uns als Eltern als auch für Jana passt, ob wir es überhaupt organisatorisch hinbekommen und ob Jana mit dieser Möglichkeit glücklich ist. Wir haben diese Entscheidung noch keine Sekunde bereut und möchten andere Familien dazu inspirieren, sie ermutigen, diesen Schritt zu wagen.

Wir haben selbst erlebt, welchen starken Gegenwind man als Familie bekommt, diesen eher untypischen Weg der Bildung einzuschlagen. Mittlerweile ist es so, dass der Gegenwind kaum noch spürbar ist, ganz im Gegenteil. Begeisterung und großes Interesse von vielen anderen Familien sind mittlerweile Alltag geworden und es ist wundervoll zu sehen, dass sich immer mehr Eltern dazu entscheiden, die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen.

Falls Ihr euch für Homeschooling interessiert und noch offene Fragen habt, freue ich mich auf Kommentare oder DMs auf Instagram (@family_vibes_of_5)!

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2 Comments

  1. Hallo!
    Vielen Dank für deinen informativen Homeschooling-Beitrag. Ich denke auch, dass es wichtig ist, Eltern zu sagen, dass sie bzw. ihre Kinder eine Wahlmöglichkeit haben. Viele wissen das einfach nicht. Und auch, wenn die Wahl auf “Schule” fällt, ist das völlig in Ordnung. Aber dann haben sie diese Entscheidung auch bewusst getroffen, anstatt sich in ihr “Schicksal” zu begeben 😉 .
    Ich wollte nur noch kurz ergänzen, dass ein Wechsel vom Häuslichen Unterricht in die Schule während des Schuljahres immer möglich ist (umgekehrt nicht, wie ihr ja ganz richtig schreibt).
    LG Nicole

    • Family Vibes Reply

      Danke für für dein Feedback! Die Info mit dem Wechsel von häuslichen Unterricht zur Schule haben wir jetzt ergänzt! LG

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